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Leseprobe

Die Trennung oder unser zweigeteiltes Bewusstsein

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Trennung heißt: Das Bewusstsein des normalen zivilisierten Menschen der heutigen Zeit umfasst zwei Bereiche oder Hälften:

  • einen äußeren wachbewussten und
  • einen inneren, verborgenen Bewusstseinsteil.

Diese beiden Hälften des menschlichen Bewusstseins haben eine jeweils entgegen gesetzte Funktion bzw. Aufgabenstellung.

Alles, was ein Mensch im Normalfall von sich weiß und kennt, das ist dieser wachbewusste Teil seines Wesens. Wenn er »Ich« sagt, meint er damit ausschließlich dieses Wachbewusstsein. Aus diesem einfachen Grund weiß und versteht das Wachbewusstsein oder Ich nur soviel von der Realität, wie es sie mit diesen äußeren Sinnen wahrnehmen kann. Nur das gibt es wirklich.
Die innerseelischen Bereiche bezeichnet das Ich als das Unbewusste bzw. das Unterbewusstsein. Philosophen und Psychologen sprechen seit jeher vom Unterbewusstsein, wenn sie den verborgenen Teil der Psyche meinen. Dieses dem Menschen bekannte Unterbewusstsein ist aber einfach nur eine spezielle Abteilung seines Wachbewusstseins, das ohne diese Unterabteilung in seinem Funktionieren völlig überfordert wäre.Der innerseelische vom Wachbewusstsein getrennt existierende Bereich der Psyche ist nicht mit dem Unterbewusstsein gleichzusetzen! Es ist ein tatsächlich verborgener, scheinbar nicht existenter Bewusstseinsteil.
Der innere Bewusstseinsteil steht also hinter unserem wachbewussten Ich, das nur weiß, was es sehen kann usw. Im Unterschied dazu weiß und kennt das innere Bewusstsein unser gesamtes Leben, denn es hat sich die Bedingungen und Umstände unserer Existenz erdacht und erschaffen. Deshalb kennt es auch all unsere wahrscheinlichen Zukünfte. Es weiß, was wir weiterhin tun und erleben wollen und es weiß, welche Konsequenzen das für uns haben wird. Und es führt uns in unsere Schwierigkeiten und Probleme hinein und auch wieder heraus... Es kennt die Lösung all unserer Probleme ... und nicht zuletzt deshalb wird seine bloße Existenz vom Ich strikt geleugnet. Das eben ist die Trennung des Bewusstseins, dass die nach außen gerichteten Teile des menschlichen Geistes nur sich selbst kennen, nur von sich selbst wissen. Das Ich beharrt darauf, innerhalb des eigenen Bewusstseins die einzig maßgebende Instanz zu sein.

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Wir meinen, unsere Gedanken sind in unserem Kopf eingesperrt und unsere Gefühle in unserem Herzen. Wir sind sicher, dass sie auch solange dort bleiben, bis wir sie ausdrücken, aussprechen oder zeigen. Wir meinen, unsere Gedanken sind etwas rein Theoretisches, was mit den Vorgängen um uns herum in keinerlei Zusammenhang steht. Wenn der Wind weht oder die Vögel singen, dann hat das - scheinbar - nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was wir gerade für unsere verborgenen und natürlich zufälligen Gedanken und Gefühle halten.

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Die Trennung ist ein Bewusstseinsabenteuer. Es ist die spezifische Art und Weise, unter der der Mensch seine spezifischen Eigenschaften, Fähigkeiten sowie seine besondere Form des Denkens entwickeln konnte. Unter der Voraussetzung, dass der Mensch keinen unmittelbaren Zugang hat zur Quelle seines Daseins, ist er gezwungen, seine Antworten im Außen zu suchen. So konnte er nur das wissen, was er sieht mit seinen äußeren Augen. Er musste seine Umgebung strukturieren, ein System, eine Ordnung hineinbringen, um nichts ahnend und nichts wissend das Vorhandensein von Nahrung oder Gefahren rational ableiten zu können. Der Mensch musste lernen, sich auf die Wahrnehmung mit seinen äußeren Sinnen zu konzentrieren, was in der Folge zur Meisterleistung des logisch-rationalen Denkens führte.

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Und so halten viele vernünftig und logisch denkende Menschen heute an ihrem Weltbild der objektiven Existenz von Raum und Zeit fest. Sie richten ihre Aufmerksamkeit ausschließlich nach außen, weil sie überzeugt sind, dass die Erkenntnis von Gott und der Welt – wenn überhaupt - nur im Außen zu finden ist und dass jede Information immer nur von diesem Außen kommen kann. Diejenigen, die von ihrem inneren Bewusstsein nichts wissen, müssen überzeugt sein, dass der Mensch die Antwort auf die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, niemals wissen kann. Von außen betrachtet kann man das ja auch nicht wissen.Gleichzeitig spürt aber auch ein jeder Mensch diese unbegreifliche und bleibende Verbindung zu etwas Höherem bzw. zu etwas in ihm, das er nicht erklären und nicht benennen kann.